Philharmonie

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Musikfreunde,

 

von der Komposition bis zur Aufführung lebt die Musik von der schöpferischen Kraft der beteiligten Menschen. Originalität und Authentizität sind Quellen der Faszination und zugleich Spiegel der Persönlichkeit der Künstler – sowohl der ursprünglichen Schöpfer der Werke als auch ihrer Interpreten. Zum gelungenen Ganzen wird ein Konzertabend aber erst durch die aktive Anteilnahme der Hörerinnen und Hörer: Das immer wieder Neue und Faszinierende an einem lebendigen Konzert entsteht im Moment der Wahrnehmung der Musik in einem ästhetisch und funktional optimal darauf abgestimmten Rahmen – auch das Hören ist ein wirklich schöpferischer Prozess.

 

In einer kontinuierlichen Linie baut das musikalische Programm der siebten Spielzeit der Philharmonie allem voran auf herausragende künstlerische Qualität. Daher werden gleichermaßen die zu Recht berühmten Dirigenten, Solisten, Ensembles und Orchester der Welt wie auch starke neue Persönlichkeiten willkommen geheißen. Sie werden die Gelegenheit nutzen, entdeckt zu werden und sich gegenüber dem an Hörerfahrung reichen Publikum in Luxemburg zu bewähren. Das Philharmonische Orchester des Großherzogtums, das Orchestre Philharmonique du Luxembourg, und sein Chefdirigent Emmanuel Krivine bilden das Rückgrat des Orchestergeschehens in der Philharmonie. Kein anderes Orchester ist enger mit der Kultur und der Geschichte des Landes verbunden. Getragen von einem breiten Kreis an Musikfreunden in Luxemburg und weit darüber hinaus, wird das OPL in enger Allianz mit der Philharmonie eine exponierte und sehr wichtige Rolle spielen. Die nahe strukturelle und organisatorische Beziehung der bislang voneinander unabhängigen Institutionen OPL und Philharmonie in der Zukunft schließt dabei nicht aus, dass andere langjährige musikalische Partner wie die Solistes Européens Luxembourg, United Instruments of Lucilin, Noise Watchers, LGNM oder das Orchestre de Chambre du Luxembourg ihre kontinuierliche Partnerschaft oder Heimstatt im Haus finden.

 

Konsequent wird auch dem Musikschaffen der Gegenwart quer durch alle musikalischen Genres Raum und Gewicht gegeben. In der Rezeption der Musik der Gegenwart, wie auch im Bereich der Kunst, scheiden sich die Geister. Und das ist gut so, denn die Kunst der Gegenwart verortet uns in vielfacher Weise.


In der Wahrnehmung gibt jeder von uns der Kunst unserer Zeit den Platz, der persönlich als angemessen empfunden wird. Polarisieren, nicht selten provozieren zu können gehört zur Qualität der Musik der Gegenwart. Und dabei so manche Fragen zu stellen, auf die es keine einfachen und bequemen Antworten gibt. Aus der Sicht einer guten Programmgestaltung bleibt es dabei selbstverständlich, dass sich Produktionen mit hohem Anteil an zeitgenössischen Werken an denselben hochentwickelten Anforderungen an die künstlerische Qualität messen lassen müssen wie sie auch an Interpretationen im historisch gefestigten Kanon der Musik gestellt werden.

 

Die Fragen nach der Authentizität, aber auch nach der Originalität der Aussage streifen hierbei immer wieder den Aspekt der Wahrheit. Wie viel Wahrheit steckt eigentlich im Konzertbetrieb der Gegenwart? Wie viel vom Glanz der Namen ist nachvollziehbar, wie viel davon ist echt? Wie weit gehorchen wir – ob bewusst oder unbewusst – vorauseilenden Erwartungen, und wie viel vom Erfolg ist unbeeinflusst vom Ergebnis geschickter Medienarbeit, also das Resultat echter künstlerischer Wahrhaftigkeit? Wie viel des Erlebens kann als wahr empfunden werden und wie viel davon ist ‹bloße› Projektion? All diese Fragen begleiten mich und das Team der Philharmonie bei der Programmgestaltung jeder neuen Saison. Beantwortet werden diese Fragen aber erst durch Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren. Jeder von Ihnen wird im Konzertprogramm der Philharmonie vielfach Gelegenheit für individuelle und gemeinschaftlich getragene Antworten finden.


Ich wünsche Ihnen sehr viel Freude an den Konzerten der Saison 2011/12, viele beglückende und bewegende Momente der direkten Begegnung mit faszinierenden Werken und Interpreten und vor allem das eine oder andere Erlebnis der Wahrhaftigkeit im künstlerischen Prozess, die das Hören von Musik im Konzert zu etwas ganz Besonderem macht.

 

Mit herzlichen Grüßen
Matthias Naske