
Die Philharmonie Luxembourg
von
Christian de Portzamparc
Als ich die ersten Fotos dieses Viertel betrachtete und noch nicht einmal das Gelände besichtigt hatte, entstand bei mir der Eindruck, ich müsste das Publikum durch einen Raum der Initiation in das zukünftige Gebäude der Philharmonie schicken, einen Kreis hoher Bäume, den es hätte durchschreiten müssen, um ins Reich der Musik vorzudringen. Auf dem Gelände wurde mir dann klar, dass wir gar nicht genug Platz zum Pflanzen hatten. So kam es zu der Idee einer filternden Fassade anstelle des bewachsenen Rings, die weder undurchlässig noch transparent ist und eine Lichthülle bildet, deren Kern der Saal in der Mitte sein soll. Die in mehreren elliptischen Reihen radial hintereinander angeordneten Säulenschäfte folgen einem so mathematischen wie musikalischen Rhythmus.
Im Herzen dieses Lichtperistyls liegt der große Saal. Ich wollte die Wände dieses Saals beleben, um die Musiker zu umringen, um die Art von Beziehung zum Publikum herzustellen, die das Theater Shakespeares kennt. Ich hatte auch den Wunsch, dass die Vorstellungswelt schwindet und man sich nicht eingeschlossen fühlt; hier gilt es, Größe mit Intimität zu vereinen. So erinnern die Seitenwände des Saals mit ihren Logen über mehrere Stockwerke nun an Hochhäuser – wie
nächtliche Gebäude, die einen öffentlichen Platz umgeben. Ein Saal ist ein großes Musikinstrument. Wie immer habe ich mit dem Akustiker Xu Ya Ying gearbeitet. Mir gefällt der Gegensatz zwischen dem hellen, an Schnee erinnernden Eindruck des Peristyls und dem Schatten des Saals. Die Wand zwischen beiden ist ein luftiger Schild mit Lichteinlässen, die in der Art von Prismen auch der Farbe Platz verschaffen.Der Kammermusiksaal liegt in einem Blatt, das aus dem Boden heraus wächst und sich an das Peristyl anschmiegt. Es spielt mit dem Filter, indem es sich schräg vor ihn legt, und dieses kontrastierende Spiel von lichtundurchlässig und transparent macht das Projekt so einzigartig. Architektur für die Musik erschaffe ich gerne. Für mich entsteht so der Dialog zweier Bereiche der Sinneswahrnehmung, des Hörens und des Sehens, die frei aufeinander eingehen können. Dies ist ein Geschenk, das der Raum uns macht.
Die mit der Musik verbundene Emotion liegt in der Entdeckung einer anderen Welt, die sich in die Dauer hinein erstreckt, und dem allmählichen Vordringen in diese Welt. Ich begreife den Raum auch als Erscheinung, die sich über die Dauer unserer Bewegung mit ihren Erwartungen, Überraschungen und Verkettungen hinweg erfahren lässt. Ton und Licht füllen und enthüllen diese wunderbare Leere, die sich zwischen den massiven baulichen Formen auftut, Raum und Musik enthüllen sich gegenseitig.



















