Die Education-Arbeit der Philharmonie Luxembourg

Das Ziel ist, bei jedem einzelnen jungen Hörer von Anfang an die individuelle Lust an der Wahrnehmung von Musik zu fördern. Dabei werden mit kompromisslosem künstlerischem Qualitätsanspruch die besonderen Rezeptionsbedürfnisse der verschiedenen jungen Altersgruppen berücksichtigt. Ein strukturiertes, vielschichtiges Programm für junges Publikum gehört in der Philharmonie daher zentral zur künstlerischen Planung. 2011/12 werden rund 150 maßgeschneiderte Konzertproduktionen für verschiedene Alterszielgruppen zwischen 0 und 17 Jahren angeboten – knapp die Hälfte aller Eigenveranstaltungen des Hauses. Der Programmbereich stellt bei wachsender Nachfrage rund ein Viertel aller Abonnenten der Philharmonie. Konzertzyklen wie „Loopino“ (3–5 Jahre), „Philou“ (5–9 Jahre), „Miouzik“ (9–12 Jahre) und „iPhil“ (13–17 Jahre) laden zur persönlichen, fortdauernden Begegnung mit Live-Musik ein. Die stufenlos ineinander verzahnten Abo-Reihen fördern Kontinuität – mit dem Resultat, dass die Kinder oft mehrere Jahre lang zum Philharmonie-Publikum gehören. Eine stimmige Inszenierung, ein anregendes Bühnenbild, eine stimulierende Lichtgestaltung können das aktive Hören positiv unterstützen

 

Regionale, nationale und internationale Kooperationen spielen eine wichtige Rolle, z.B. bei zahlreichen Schulkonzerten gemeinsam mit dem luxemburgischen Erziehungsministerium und der Stadt Luxemburg oder einem multidisziplinären Kinderabo mit dem Grand Théâtre und CarréRotondes. Mit Partnern wie dem OrchestrePhilharmonique du Luxembourg, dem Mierscher Kulturhaus, dem Centre des ArtsPlurielsEttelbrück, dem Tanzzentrum TROIS C-L, den städtischen Musikkonservatorien und der europäischen Kulturhauptstadt „Luxembourg et Grande Région, Capitaleeuropéenne de la Culture 2007“ wurden und werden neben Konzerten auch partizipative Projekte unter Einbindung von Amateurmusikern etc. verwirklicht. Durch Produktionsaufträge werden luxemburgische Künstler und Ensembles gefördert und mit internationalen Partnern in einen künstlerischen Dialog gebracht. Reihen wie „Loopino“ und „Musek erzielt“ sind durchwegs Eigenproduktionen der Philharmonie, was zu einer nachhaltigen Stimulation der kulturellen Szene und zu langfristigen, fruchtbaren Kooperationen führt.

 

Zu den internationalen Partnern in diesem Bereich gehören Lucerne Festival, Kölner Philharmonie (KölnMusik), MusikTriennale Köln, YEAH! Festival – Young EARopean Award, Bregenzer Festspiele, Jeunesse Österreich, Konzerthaus Wien, Grazer Spielstätten, Bludenz Kultur, Arsenal Metz, Cité de la Musique Paris, Manchester International Festival und Moskauer Philharmonie. Ein Anliegen ist, die europäische Zusammenarbeit im Arbeitsbereich „junges Publikum“ auszubauen und zu intensivieren. Für ihr Bemühen um die Schaffung einer neuen Rezeptionskultur für junge Menschen erhielt die Philharmonie 2005–2007 den Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung.

 

Der Konzertzyklus „Loopino“ für Kinder von 3 bis 5 Jahren

Das „Kinderkonzert-Flaggschiff“ der Philharmonie ist das Abonnement „Loopino“ für Kinder von 3 bis 5 Jahren und ihre Eltern. Ein vierköpfiges luxemburgisches Kreativteam konzipiert pro Saisonsechs Konzerte. Durch die Konzerte führt „Loopino“, verkörpert durch eine Tänzerin und Schauspielerin (Luisa Bevilacqua), die zur Identifikationsfigur wird und eine Verbindung zwischen dem musikalischen Geschehen auf der Bühne und der Erfahrungswelt der Kinder herstellt. Dazu kommen ein Musikvermittler (Max Fischbach), der das Musikatelier zum Mitmachen gestaltet, eine Kunstvermittlerin (Martine Daniels-Marson), die Bastelaktionen konzipiert und anleitet, sowie ein Bühnenbildner (Edmond Oliveira).

 

Diese Konstellation ermöglicht die Einbindung renommierter Interpreten (Ian Bostridge/Julius Drake, Pierre-Laurent Aimard, Tabea Zimmermann, Vittorio Ghielmi/Luca Pianca, Fauré Quartett u.v.a.) unabhängig von deren bisheriger Erfahrung in der Arbeit mit Kindern. So wird auch dem jüngsten Publikum die bestmögliche künstlerische Qualität nahegebracht, zugleich entstehen Verbindungen und Synergien mit dem Programm für erwachsenes Publikum.

 

Im Mittelpunkt der „Loopino“-Konzerte steht das individuelle Erleben vielfältiger, künstlerisch geprägter Sinneseindrücke in enger Verbindung mit Musik. Die Konzerte folgen einem flexiblen Schema, das neben rezeptiven Phasen des Hörens und Sehens auch aktives Mitmachen bei musikalischen und künstlerisch-darstellenden Workshops umfasst. Jedes Konzert hat eine dreiteilige Struktur: Auf einen Konzertteil am Anfang („Musik hören“) folgen kreative Mitmachteile („Musik machen“) im Musikatelier und „Bastelaktionen“ mit unmittelbarem Bezug zum Konzertgeschehen. Den Abschluss bildet ein kurzer Konzertteil. Das Konzept kommt durch die kontrastierenden, abwechslungsreichen Teile dem kindlichen Rezeptionsvermögen entgegen und erlaubt, die Kinder über eine Dauer von 70 bis 80 Minuten aktiv und aufmerksam einzubeziehen.