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26. April 2019

«Am Ende geht es immer um die Musik»

von Charlotte Brouard-Tartarin

Rolando Villazón im Gespräch mit Charlotte Brouard-Tartarin

Verraten Sie uns mehr zu Ihrem Projekt an der Philharmonie Luxembourg!

Die Idee ist es, ein Thema einerseits anhand von musikalischen Werken zu entwickeln, die es zum Gegenstand haben, es auf der anderen Seite aber gleichzeitig auch im Kontakt mit dem Publikum verbal zu beleuchten. Das ist eine Einladung, auf musikalischem Wege Geschichten und Phänomene zu entdecken; an zwei Abenden widmen wir uns der Ausnahmeerscheinung Mozart in allen Facetten seines Lebens. Wer meint, ihn bereits zu kennen, hat Gelegenheit, diese Bekanntschaft zu vertiefen, und wer noch nicht das Vergnügen hatte, wird eine bemerkenswerte Persönlichkeit entdecken, nicht zuletzt anhand von großartigen Musikwerken, die wir alle längst lieben.

Diese Entdeckung soll in größtmöglicher Nähe zum Publikum stattfinden.

Welche Rolle spielt Mozart für Ihre Karriere?

Meine Leidenschaft für Mozart ist 2010 erwacht, als ich den Don Ottavio in Don Giovanni gesungen habe. Vor dem Rollenstudium habe ich die Mozart-Briefe gelesen und habe mich verliebt wie nie zuvor in einen Komponisten. Bei Verdi bin ich genauso vorgegangen; und auch wenn ich ihn sehr mag, war es doch Mozart, in dem ich einen Freund und Begleiter fürs Leben gefunden habe. Damit bin ich keine Ausnahme, das ist etwas, das allen Künstlern und Melomanen passiert, die ins Mozart’sche Universum eindringen.

Was erreichbar war, habe ich gehört und gelesen – das ist natürlich eine riesige Menge an Dokumenten. Nun zum Direktor der Mozartwoche Salzburg ernannt worden zu sein, ist natürlich eine traumhafte Fortsetzung meines Weges. Mozart ist der Komponist, den ich am meisten interpretiert habe: neun seiner Opern, die Konzertarien für Tenor, das Requiem und die Vesperae solennes. Ohne dass das geplant war, ist er mein Lieblingskomponist geworden, das war nicht nur musikalisch Liebe auf den ersten Blick, das ist «existenziell».

An diesen drei Abenden agieren Sie an der Seite junger Dirigenten und Solisten. Was sind für Sie heute die entscheidenden Qualitäten eines jungen Interpreten?

Am Ende geht es immer um die Musik. Das mag selbstverständlich erscheinen; aber in unserer Zeit eines extremen Narzissmus, geprägt durch Facebook, YouTube und Instagram, «Like»-Zahlen für das Posten von Fotos oder Konzertausschnitten, kann man den künstlerischen Aspekt schnell aus den Augen verlieren und Berühmtheit für das Ziel halten. Ernsthaftigkeit, wirkliches Eindringen in den Notentext, Kenntnis der Tradition und das gleichzeitige Wissen, wie man sich von ihr lösen kann, das sind für mich die entscheidenden Qualitäten eines jungen Musikers in der Gegenwart. Man muss seinen eigenen Weg finden, immer mit der Partitur als Ausgangspunkt muss man den Mut entwickeln, seine individuelle Sprache zu finden.

Neben Ihrer Sängerkarriere sind Sie auch als Regisseur und künstlerischer Leiter tätig. Wie bringen Sie diese verwandten, aber verschiedenen Tätigkeitsfelder unter einen Hut?

Ich glaube, Regisseur bin ich zur gleichen Zeit geworden wie Schriftsteller, und hier bediene ich mich der gleichen «Rezepte» wie als künstlerischer Leiter.

Egal, was ich mache, Voraussetzung ist es, eine Idee zu haben, eine Philosophie, Struktur, ein Ziel, ein Gerüst, das es zu vervollständigen gilt, aber trotzdem offen zu bleiben für die Welt für die verschiedensten Einflüsse. Meine Erfahrungen als Sänger helfen mir als künstlerischem Leiter, leicht eine Verbindung zwischen Bühne und Saal herzustellen.

Sie haben die verschiedensten musikalisch-stilistischen Territorien erkundet. Bleiben da noch Wünsche offen?

Ja natürlich, es gibt immer noch etwas Neues zu entdecken! Im letzten Jahr habe ich zum allerersten Mal Debussys Pelléas gesungen, was ich in diesem Jahr abermals tun werde: das ist musikalisch und künstlerisch eine wahnsinnig spannende Sache. Tatsächlich habe ich eine Liste von Werken, die ich gern erobern würde, Lieder, Chansons, Opern…  Ich möchte T.S. Eliot zitieren: «I rejoice, having to construct something / Upon which to rejoice» (Ich genieße es etwas zu errichten / das ich genießen kann). Für mich heißt das, man kann sich immer auf neue schöne Entdeckungen freuen.

 

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