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20. Januar 2020

«Konzert für Klangwerk und Orchester»

von Philharmonie Luxembourg

Eine Uraufführung ist immer ein Ereignis und dies umso mehr, wenn das Werk von Georg Friedrich Haas stammt, einem der wichtigsten Komponisten der Gegenwart. Sein Konzert für Klangwerk und Orchester hat er Christoph Sietzen direkt in die Finger komponiert, der es gemeinsam mit dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg und Ilan Volkov am 29.11. uraufgeführt hat. Entdecken Sie die Uraufführung sowie ein Gespräch zwischen dem Solisten und dem Komponisten auf unserem Blog.

Georg Friedrich Haas: Konzert für Klangwerk und Orchester

Uraufführung am 29.11.2019 in der Philharmonie Luxembourg im Rahmen von «less is more − rainy days 2019»

Orchestre Philharmonique du Luxembourg
Ilan Volkov Leitung
Christoph Sietzen Percussion
Kompositionsauftrag Philharmonie und Orchestre Philharmonique du Luxembourg, Wiener Konzerthaus, Gürzenich-Orchester Köln und Casa da Música, Porto; Verlag Ricordi

 

Vom Schrott zum Klang | Die Entstehung des «Konzerts für Klangwerk und Orchester»
Christoph Sietzen und Georg Friedrich Haas im Gespräch

Christoph Sietzen: Ein ganz wichtiges Element bei diesem Konzert ist die Klangwand. Das war natürlich ein Prozess, um wirklich die richtigen Gegenstände zu finden, um das Werk, so wie ich es wahrgenommen habe, dann eben auch spielen zu können.

Von der ersten Ladung von 300 Kilogramm Schrott, die ich vom Schrottplatz mitgenommen hatte, sind jetzt vielleicht noch zehn Prozent in der Klangwand. Das war wirklich ein Herantasten. Es gibt eben diese Sortierung von hoch bis tief, und von obertonarm bis -reich, und es war zum Beispiel wahnsinnig schwer, Gegenstände zu finden, die sehr hoch klingen, aber obertonarm sind, weil es am Ende doch Metall ist. Am Schluss ist es fast ein Instrument geworden, kann man sagen.

Georg Friedrich Haas: Aber nicht fast – es ist ein Instrument! Dahinter steckt aber auch eine gewisse Ideologie. Wenn Sie sich anschauen, welche Instrumente da gespielt werden, da gibt es eine Reihe von sündteuren und wunderschönen TamTams, und das Teuerste an dieser Klangwand ist das Gerüst, an dem alles aufgehängt ist. Und das ist aber nicht nur eine wirtschaftliche Sache. Das ist auch, wenn Sie so wollen, die Vorstellung, dass alles zu Kunst wird, wenn wir es zu Kunst machen.

Das Vertrauen, das ich haben muss, und das Christoph zu 100 Prozent erfüllt hat, ist, dass erstens ein ernsthaftes Bemühen da ist, den Sinn von dem zu verstehen, was notiert ist und ebenfalls erstens (lacht), ein Mensch sich in seiner gesamten künstlerischen Energie und Qualität in dieses Werk einbringt.

CS: Ich bin als Interpret unglaublich froh, wenn ich ein Stück von einem lebenden Komponisten spielen darf. Man hat Fragen, trotz aller Genauigkeit in der Notation. Man sucht eben, dem möglichst nahe zu kommen, was der Komponist sich vorgestellt hat. Und dann ist es ein großes Glück, Herrn Haas nur anrufen zu müssen, um eine Antwort zu bekommen.

Für mich ist es natürlich auch eine Premiere, auf einer Klangwand zu spielen. Also ich habe das bisher nur in meinem Übungsraum gemacht. Es ist ja jetzt auch für mich das erste Mal in einem Saal mit einer Klangwand. Ich muss ja eigentlich nicht hören, wie es auf der Bühne klingt, sondern ich muss hören, wie es im Saal klingt. Und wenn ich ein Instrument schon sehr gut kenne, dann fällt mir das natürlich um einiges leichter, als wenn das ein komplett neues Instrument ist.

GFH: Naja, ich kann natürlich nicht vermeiden, dass ich mir ab und zu denke «Um Gottes Willen, Georg, was hast du denn da wieder gemacht». Das liegt daran, dass manche Dinge halt nicht funktionieren und dann muss man eben nachschauen, woran es liegt. Ich gestehe, man verkalkuliert sich in gewisser Hinsicht immer. Und ein Leben als Komponist ist ein lebenslanges Lernen.

Ich habe einen fundamentalen Fehler begangen in diesem Stück. Ich habe geglaubt, dass die gefundenen Gegenstände in ihrer Klangqualität und in ihrer Lautstärke nicht an die professionellen Musikinstrumente herankommen werden und habe da teilweise eine falsche Dynamik geschrieben. Als ich es zum ersten Mal gehört habe, habe ich ein unglaublich schönes Schlagzeug gehört und das Orchester war optisch schon sehr interessant (lacht). Aber akustisch hätte man fast darauf verzichten können, an einigen Stellen, und das haben wir dann natürlich korrigiert. Es ist relativ einfach, man braucht dann nur den Schlagzeuger zu bitten, ein wenig leiser und das Orchester, ein wenig lauter zu spielen. Und dann ist plötzlich das da, was ich mir vorgestellt habe.

Photos: Alfonso Salgueiro Lora