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04. Juni 2021

Gegenseitige Neugier

von Lydia Rilling

Artist in residence
Isabelle Faust

Isabelle Faust im Gespräch mit Christoph Gaiser (2019) und Lydia Rilling

 

Sie waren seit 2012 insgesamt sieben Mal zu Gast in der Philharmonie Luxembourg. Gibt es unter den Konzerten eines, an welches Sie sich besonders lebhaft erinnern?

Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt, sowohl im großen als auch im kleinen Saal. Die Akustik ist in beiden Fällen erstklassig, das Publikum sehr aufmerksam, und auch hinter der Bühne fühlt man sich ganz zuhause. Ich erinnere mich zum Beispiel gern an das Schubert-Oktett. Wir waren damals das erste Mal alle mit historischem Instrumentarium unterwegs. Es war ein sehr spannendes und glückliches Konzert, es hat meinen Kollegen neue Klangperspektiven geöffnet.

Eine Residenz zielt ja immer auch auf eine intensivere Verbindung zu den Zuhörenden ab. Was wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang vom Luxemburger Publikum?

Ich denke, dass es für das Publikum eine Chance sein kann, einen Musiker und seine musikalischen Intentionen besser und differenzierter zu verstehen, wenn es ihn in unterschiedlichsten Programmen und Formationen kennenlernen kann. Die Neugier auf den Musiker sollte im besten Falle in Neugier auf die Musik, die ich mitbringe, verwandelt werden.

Auf welches der für Luxemburg geplanten Werke freuen Sie sich am meisten?

Es ist wirklich unmöglich, eines aus all diesen fantastischen Werken hervorzuheben! Es sind tatsächlich allesamt nur Lieblingsstücke von mir… Vielleicht freue ich mich auf den Bach/Westhoff-Abend ganz besonders, da wir bisher nicht so viel Gelegenheit hatten, ihn zu programmieren.

Das vergangene Jahr hat das kulturelle Leben fast zum Erliegen gebracht. Hat dieses Jahr Sie als Künstlerin verändert?

Das Corona-Jahr war für uns alle und besonders die Künstler und freischaffenden Künstler eine große Herausforderung. Für viele haben sich Existenz-bedrohende Krater aufgetan, einige mussten die Kunst tatsächlich an den Nagel hängen. Auch nach einem Jahr bleibt die Situation prekär und die Zukunft ungewiss. Für mich persönlich war dies ein sehr bedrückendes Jahr, die Rolle der Musik wurde in vielschichtiger Weise in Frage gestellt, und auch selbst hatte ich viel Gelegenheit, mich noch einmal intensiv mit der Notwendigkeit von Kunst und Musik in unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen. Ich bin während dieser Zeit zur noch festeren Überzeugung gelangt, dass Musik einen festen und wichtigen Platz in unserem Leben einnehmen muss und jeder Musiker seine Rolle als Botschafter noch ernster nehmen sollte als ohnehin schon. Jedes einzelne der wenigen möglichen Konzerte mit Publikum während dieser Corona-Zeit hat meine Überzeugung noch bestärkt.

 

Titelfoto: Felix Broede

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