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photo: Alberto Venzago photo: Alberto Venzago
 

Der Kulturbotschafter

Valery Gergiev wird Artist in residence 2016/17, präsentiert Prokofjew als Symphoniker und steht erstmals am Pult des OPL.

«Empfindsamkeit und Heftigkeit, maßlose Leidenschaft und träumerische Zärtlichkeit, Zorn und Ironie, eine fast feminine Weichheit und rücksichtslose Brutalität vermengen sich in seinem durchaus eigenartigen Stil, an dem immer wieder die Unmittelbarkeit des Ausdrucks fesselt.» Die Rede ist hier von Sergej Prokofjew – für Valery Gergiev schlicht «der größte russische Komponist».

Als die oben zitierten Worte 1926 in einem Buch von Leonid Sabanejew und Oskar von Riesemann erschienen, war Prokofjew gerade einmal 35 Jahre alt und doch schon längst in aller Munde (elf Jahre zuvor hatte Sabanejew seine Skythische Suite verrissen, deren Aufführung allerdings in letzter Minute abgesagt worden war… ein peinlicher Moment für den Starkritiker und ein Lacherfolg für den jungen, wilden Komponisten).

2016 wäre Prokofiev 125 Jahre alt geworden, und in Gergievs dichtem Konzertkalender findet sich sein erklärter Favorit unter den russischen Komponisten noch häufiger als sonst. Und das will bei der beeindruckenden Liste seiner bisherigen CD-Einspielungen und Aufführungen einiges heißen.

Davon kann 2016/17 auch das Publikum in Luxemburg profitieren: Die Zweite und die Sechste Symphonie stehen zum ersten Mal auf dem Philharmonie-Programm, dazu kommen die Erste und Dritte Symphonie, die beiden ersten Klavierkonzerte mit Denis Matsuev als Solist sowie eine Suite aus dem Ballett Aschenputtel. Nicht zu vergessen: Eins der drei Mariinsky-Gastkonzerte im November 2016 widmet sich ganz der Mission, Luxemburger Schülerinnen und Schüler für Orchestermusik zu begeistern – mit dem Klassiker Peter und der Wolf.

Bei der zweiten Etappe seiner Residenz, im Februar 2017 mit den Münchner Philharmonikern und Solist Daniil Trifonov, fühlt Gergiev Gemeinsamkeiten zwischen dem französischen und dem russischen Repertoire auf den Zahn. Die jahrhundertealten kulturellen Verbindungen zwischen Russland und Europa liegen ihm besonders am Herzen – vom Debussy-Interpreten Rachmaninov über die italienischen Architekten, die St. Petersburg geprägt haben, bis zu seinem Einsatz für Mahler und Wagners Ring in Russland: «Ich hoffe, dass die Menschen etwas besser Geschichte lernen. Alle Menschen – Europäer, Amerikaner, Russen, Asiaten… – müssen Geschichte lernen. Politiker scheinen davon heute wenig zu verstehen. Wir müssen mehr Zeit aufwenden, um die Geschichte wirklich zu kennen, das ist sehr wichtig.»

Gergievs Rolle als leidenschaftlicher Botschafter zwischen den Kulturen hat in Luxemburg einen ganz besonderen Touch – schließlich ist er dem Großherzogtum auch als Honorarkonsul verbunden. Sein 20. Auftritt in der Philharmonie wird garantiert zum Kulturtransfer beitragen – zum Abschluss seiner Residenz im Mai 2017 dirigiert Valery Gergiev erstmals das Orchestre Philharmonique du Luxembourg.