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Der Dirigent Paavo Järvi kommt für vier Konzerte nach Luxemburg und stellt sein Orchester aus Estland vor

 

«Apotheose der Götter» titelte 2016 ResMusica anlässlich des Abschiedskonzertes von Paavo Järvi als musikalischer Leiter des Orchestre de Paris. Dies war nur eine der zahlreichen Stationen seiner Karriere, die mit der Unterstützung Leonard Bernsteins ihren Anfang genommen hatte und zum Weg eines außergewöhnlichen Dirigenten wurde, der als Spezialist des skandinavischen Repertoires gilt.

Nach seiner Berufung an die Spitze berühmter internationaler Orchester verspürte Paavo Järvi das Bedürfnis, wieder Beziehungen zu seinem Geburtsland Estland anzuknüpfen. 1980 hatte er das Land im Alter von 18 Jahren verlassen, um mit seiner Familie in die USA auszuwandern. 2010 wirft er ein Auge auf den baltischen Badeort Parnü und gründet dort zusammen mit seinem Vater, dem Dirigenten Neeme Järvi, ein neues Festival: «[Mein Vater] hatte in Tallinn alle entscheidenden Positionen inne, sowohl an der Oper als auch beim Symphonieorchester. In seine Aktivitäten hat er uns immer einbezogen. Wir konnten bei den Proben dabei sein, und es war völlig normal, dass wir zu all seinen Konzerten und Opernvorstellungen gingen », verrät Paavo Järvi der Tageszeitung Le Temps. Parnü ist Bestandteil der Familiengeschichte und liegt dem Dirigenten sehr am Herzen, weil er hier als Kind die Ferien verbrachte. Hier war es auch, wo er 1973 erstmals dem Komponisten Dmitri Schostakowitsch begegnete. Die Kleinstadt war zu Sowjetzeiten ein beliebter Urlaubsort für viele Künstler; so verbrachte auch der Geiger David Oistrach hier den Sommer.

Seit sieben Jahren präsentiert das Parnü Music Festival Meisterkurse für Dirigieren, eine Orchesterakademie und das Estonian Festival Orchestra, das die Begegnung der besten Musiker des Landes mit ausgezeichneten Instrumentalisten aus ganz Europa zum Ziel hat.

«Ein entscheidendes Kriterium für die Orchestergründung war, in der beflügelnden Atmosphäre eines Festivals unter professionellen Bedingungen arbeiten zu können», erklärt der Gründer. Das Ensemble, dessen Konzerte «unbestritten den Vergleich mit jenen Abbados mit dem Lucerne Festival Orchestra nicht scheuen müssen» (David Nice, The Arts Desk), ist im Sommer 2017 erstmals jenseits seiner baltischen Heimat zu erleben und geht später auf Tournee durch die größten Musikzentren Europas. Am 24.01.2018 macht das Ensemble in Luxemburg Station mit einem Brahms / Pärt / Schostakowitsch-Programm. Hier bricht Järvi auch eine Lanze für seinen Landsmann Arvo Pärt und zwar an der Seite der russischen Geigerin Viktoria Mullova, seiner langjährigen künstlerischen Partnerin, mit der er zuletzt das Zweite Violinkonzert von Prokofjew eingespielt hat.

Der Musiker, für den dirigieren bedeutet, «Kammermusik mit vielen zu machen» (Le Figaro), ist 2017/18 Artist in residence der Philharmonie. Bekannt für Finesse und große Klarheit, wird Paavo Järvi im April das Orchestre Philharmonique du Luxembourg dirigieren und im Juni für einen Brahms-Abend mit der Deutschen Kammerphilharmonie zurückkehren, deren Chef er seit 2004 ist. Mit diesem Orchester hat er sämtliche Symphonien des Komponisten für Sony eingespielt und damit höchstes Kritikerlob geerntet.

Anne Payot-Le Nabour