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Die Kraft der Vorstellung

Jean-François Zygel im Gespräch

photo: Thibault Stipal photo: Thibault Stipal
 

In seiner dritten Saison als Artist in residence an der Philharmonie Luxembourg präsentiert Jean-François Zygel zehn ungewöhnliche Konzerte, deren Spektrum vom Klavier bis zur Theaterbühne, von der Sprechstimme bis zur Gesangsstimme und von Improvisation bis Komposition reicht.

Jean-François Zygel zeichnet eine schier grenzenlose Neugier aus, die ihn dazu treibt, Musik und die Institution Konzert auf immer wieder neue Art und Weise zu verstehen und zu vermitteln. Das ganze Jahr über lädt er zur Entdeckung der reichen und sich stetig weiterentwickelnden Welt der Kunst ein, in der er geistvoll Töne mit Worten, Bildern oder Bühne verknüpft.

Die Reihe «Dating» bietet drei ganz unterschiedliche Werke. Prokofjews ergreifendes Ballett Romeo und Julia, Beethovens Dritte Symphonie «Eroica» und Messiaens monumentales Werk Des canyons aux étoiles, letzteres mit dem Ensemble intercontemporain, stehen 2017/18 auf dem Programm.

Sie werden jeweils um ein Improvisationskonzert ergänzt, das in den ersten beiden Fällen ein «imaginäres Porträt» des jeweiligen Komponisten entwirft. Das dritte Improvisationskonzert lässt den gleichsam unendlichen Kosmos des Klaviers aufscheinen in dem Experiment Genèse für Klavier solo und Licht.

Außerdem wartet Jean-François Zygel in dieser Saison mit einer neuen Reihe auf: «Les dimanches de Jean-François Zygel». In vier sonntäglichen Begegnungen präsentiert er an der Seite namhafter Künstler besondere Projekte. Im Oktober gesellt sich der Choeur Spirito unter der Leitung von Nicole Corti zu ihm für eine Vision geistlicher Musik. Zusätzlich zur Reise in die Geschichte in Begleitung von Purcell, Fauré, Strawinsky, Mozart, Bach und Rachmaninow hat Jean-François Zygel selbst ein kraft- und trostvolles Kaddish für die sechzehn Stimmen des französischen Chores komponiert. Im Dezember begibt er sich mit dem jungen amerikanischen Jazzpianisten Dan Tepfer auf die Spuren Johann Sebastian Bachs. Im Januar wendet er sich dem Kleinen Prinzen zu und setzt den berühmten Text von Antoine de Saint-Exupéry in Musik. Für diese Begegnung voller Poesie, die sich an Jung und Alt gleichermaßen richtet, hat er Didier Sandre, Mitglied der Comédie-Française, gewinnen können. Im März schließlich begibt sich Zygel mit East Side Story auf die Spuren seiner eigenen familiären Wurzeln. In diesem szenischen Konzert beschwört er in Begleitung der jiddischen Sängerin Talila und der Cellistin Martine Bailly mithilfe
der großen Geschichte ebenso wie kleiner Begebenheiten Bilder der jüdischen Immigration der Zwischenkriegszeit herauf.

Mit der Vielzahl seiner Angebote fordert Zygel permanent unsere wertvollste Fähigkeit heraus: die Imagination.

Charlotte Brouard-Tartarin