Zum Seiteninhalt springen Zur Navigation springen

15.-18.12.2022 Chrëschtdag

Susana Baca

Das Podium als Rednertribüne, das Mikrofon als Waffe

Charlotte Brouard-Tartarin

Musik ist für viele Menschen die Sprache der Seele und der Emotionen. Sie kann aber auch zu einem bevorzugten Kommunikationsmittel für Künstler werden, die mithilfe der Musik politische oder gesellschaftliche Forderungen zum Ausdruck bringen. Die Peruanerin Susana Baca, der Senegalese Youssou N’Dour und der Kapverdier Mario Lucio haben gemeinsam, dass sie während der 2010er Jahre Kulturministerin bzw. Kulturminister ihres jeweiligen Landes waren. Dieses Engagement in einer Regierung ist für jeden von ihnen die Konkretisierung eines jahrelangen Kampfes in Liedern. Die Erstgenannte ist eine Ikone der afro-peruanischen Kultur, für deren Erhalt und Verbreitung sie sich aktiv einsetzt. Der ­Zweit­genannte setzte sich für die Frei­lassung von Nelson Mandela und später für verschiedene karitative Organisationen ein, während der Dritt­genannte – zugleich Schriftsteller – ein wichtiger Vordenker der Kreolisierung ist.

Gilberto Gil war ebenfalls mit dem Kulturressort betraut, doch in dieser Saison wird Ney Matogrosso sein Debüt in der Philharmonie geben – ein weiteres Urgestein der brasilianischen Musik. Als stets auffällig gekleidetes Mitglied der exzentrischen Gruppe Secos & Molhados in den frühen 1970er Jahren ist Matogrosso zur Symbolfigur für eine fröhliche und unverkrampfte Gegenkultur geworden und hat immer wieder gern die Grenzen des Genres durchbrochen, selbst in der Zeit der Militär­diktatur. Ohne Miriam Makeba, die wegen ihres Engagements gegen ein anderes repressives und segregieren­des Regime, nämlich das ihres Geburtslandes Südafrika, mehr als 30 Jahre lang ins Exil gehen musste, ist der Kampf gegen die Apartheid nicht zu denken. Die unermüdliche Freiheitskämpferin hinterließ ein bedeutendes musikalisches Erbe, das heute von der amerikanischen Sängerin Somi – die über ruandische und ugandische Wurzeln verfügt – weitergetragen wird. Dies im vollen Bewusstsein darüber, dass Makeba mit «ihrer Stimme als afrikanische Frau unweigerlich den eigenen Weg gebahnt hat und ebenso denjenigen unzähliger anderer afrikanischer Künstlerinnen und Künstler».

Die zuvor Genannten haben sich offenherzig für eine Sache eingesetzt und das Podium als Rednertribüne genutzt, doch heutzutage werden andere gejagt, weil sie Musiker sind. In dem von den Taliban regierten Afghanistan hat der bloße Besitz eines Musikinstruments strafrechtliche Konsequenzen. Die Musiker­innen und Musiker, die nun im Exil leben, sind darauf angewiesen, andern­orts freundliche Aufnahme zu finden, um ihr Repertoire weiterhin erklingen lassen und ihre Traditionen lebendig erhalten zu können, wie es beim Safar Ensemble der Fall sein wird.