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Johannes Brahms - photo: Friedrich König

«Aimez-vous Brahms?»

Christoph Gaiser

Die Frage «Aimez-vous Brahms?» – welche Françoise Sagan einst zum Titel ihres Erfolgsbuches von 1959 erhob, werden die allermeisten Musikfreundin-nen und -freunde heute mit einem entschiedenen «Oui» (beziehungsweise «Ja») beantworten. Johannes Brahms’ Orchesterwerke und Symphonien sind heute nicht mehr aus dem Konzertleben wegzudenken, ebenso wenig seine Kammermusik und sein Vokalwerk Ein deutsches Requiem. Nicht immer war die Liebe zu Brahms so groß wie heute, zu Lebzeiten war der Komponist durchaus umstritten. Von prominenten Kollegen seiner Zunft – etwa Peter Tschaikowsky und Benjamin Britten – sind zudem recht eindeutige Worte der Geringschätzung überliefert. Dem Arnold Schönberg-Kreis galt Brahms hingegen als Leitstern auf dem Weg zu einer Musik, die ihre Kraft und Zukunftsfähigkeit ganz aus sich selbst schöpft.

Brahms hat mit Ausnahme der Oper in allen Gattungen Gültiges und ­Bleibendes geschaffen, in der Saison 2022/23 lädt ein gutes Dutzend ­Konzerte in der Philharmonie zu einer Neubegegnung bzw. Wieder­begegnung mit Brahms’ Schaffen ein. Artist in residence Sir John Eliot ­Gardiner wird am Pult des Royal Concertgebouw Orchestra alle vier Brahms-Symphonien aufführen und dabei aufzeigen, welch unterschiedlichen Ausdruckscharakter die Symphonieform annehmen kann, wenn ein vollendeter Techniker wie Brahms zu Werke geht. Zudem wird sich ­Gardiner mit dem Monteverdi Choir und dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg den orchesterbeglei­teten, kleineren Chorwerken Brahms’ widmen. Anne-­Sophie Mutter und Pablo Ferrández brechen wiederum eine Lanze für das vergleichsweise selten gehörte Doppelkonzert für Violine und Violoncello. Paavo Järvi schließlich führt mit dem Tonhalle Orchester Zürich vor, wie eines von Brahms’ Kammer­musikwerken von Schönberg in ein Orchesterwerk von geradezu ­«symphonischem» Gewicht verwandelt worden ist. Wer gern hörend Vergleiche anstellt, kann das Klavierquartett in der Originalfassung in einem «Concert-­apéritif» erleben. Und Frank Peter Zimmermann gewährt zusammen mit Martin Helmchen einen vertieften Einblick in das Sonatenschaffen des in Hamburg geborenen Wahlwieners.

Wer jetzt noch immer Argumente sucht, warum man Brahms lieben lernen sollte, der schlägt einfach bei Françoise Sagan nach: Dort bringt der Besuch eines Brahms-Konzerts den Wendepunkt in der Beziehung zwischen der spröden Paule und dem sie heftig umwerbenden Simon. Brahms kann also auch in diesem Sinne etwas  «Romantik» in unser aller Leben bringen.