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Von meiner Sprache aus sieht man das Meer

 

Das bekannte Zitat des Dichters Vergílio Ferreira gäbe ein gutes Epigraph ab für «atlântico», das neue Festival zu Ehren der musikalischen Traditionen portugiesisch-sprachiger Länder. Eine Gelegenheit, Künstler und Sounds aus allen Winkeln der portugiesisch-sprachigen Welt kennenzulernen, aus der ja über zwanzig Prozent der Bevölkerung Luxemburgs stammen. Tauchen Sie ein!

Der mächtige Ozean, Ort der Träume, Abenteuer, Gefahren und Sorgen, aber vor allem Quelle unendlichen Reichtums und Entdeckergeistes – er ist beides, geographische und spirituelle Verbindung all jener Regionen, die das Portugiesische als Muttersprache teilen, in der kreativen Überfülle ihrer verschiedenen Akzente und Dialekte. Von den Poeten der Lissabonner casas de fado zu den endlosen warmen Sandstränden Ipanemas; von der wandlungsreichen Bucht von Luanda zu den historischen Bibliotheken von Coimbra; von den verlassenen roças von São Tomé zu den modernen Wolkenkratzern von São Paulo; von den Salzküsten der Kapverden oder den quirligen Märkten von Maputo zu den ewigen Urwäldern des Amazonas oder zu den zurückhaltenden Kopfsteinen von Salvador de Bahia oder gar zu den intensiven Farben von Goa… um nur ein paar der Plätze in der ganzen Welt zu nennen, an denen beinahe 300 Millionen Menschen in ihrem Alltag diese Sprache sprechen.

Abgesehen von den Beziehungen, die sich aus einer wechselvollen Geschichte ergeben, die in einigen Fällen noch nicht einmal völlig überwunden ist, durch eine komplexe kolonialistische Vergangenheit, und aus einer oft in ihren sozialen und politischen Realitäten fordernden Gegenwart, bringt der gemeinsame Klang der Sprache, die gemeinsame Erfahrung der Meereslandschaft sie unvermeidlich näher zusammen, fügt sie zu einer Kulturgemeinschaft.

Dieser Mix der Kulturen brachte eine Vielfalt an Musiken und Tänzen hervor – von Samba zu Morna, Choro zu Cante alentejano, Fado zu Bossa nova – häufig verbunden mit Dichtern, immer in Beziehung zu den blauen Wogen des Ozeans, verkörpert in den zeitlosen Liedern und Stimmen von Tom Jobim, Amália Rodrigues, Vinícius de Moraes, Cesária Évora, João Gilberto, Carlos Paredes, Chico Buarque…

Oder durch alle, die später kamen, um diese Kulturen zu bewahren und weiterzuentwickeln oder die Brücken, die sie und den Rest der Welt verbinden, und die es auch sind, die dieses allererste «atlântico» zum Leben erwecken als Botschafter einer weiten Gemeinschaft aus Ländern, Kulturen und musikalischen Landschaften.

Wenn man von dieser Sprache aus das Meer sehen kann, dann hören wir aus dem Klang dieser Musik das Rauschen der Wellen…

 
 

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