Themennachmittag in französischer Sprache
Eine beneidenswerte Lebensdauer (1882–1971), ein Werdegang, der von den letzten Jahrzehnten der russischen Nationalschule über Neoklassizismus und Jazz bis zum Serialismus reicht, sowie Inspirationsquellen, deren prägende Ankerpunkte der Tanz und das Sakrale sind. Das Tänzerische schöpft aus verschiedenen Folkloren ebenso wie aus der griechischen Antike, das Sakrale ist Einheit und vielfältig zugleich, ist als heidnische Trance, biblische Hierarchie, christlicher Glaube oder zeitlose Beschwörung zu verstehen. Und durch all diese Verzweigungen, alle praktizierten Stile und Genres hindurch gelingt es Strawinskys musikalischer Handschrift, ihre Identität zu wahren. Der Vortrag, der durch zahlreiche Beispiele und musikalische Kommentare sowie Projektionen und Textlesungen illustriert wird, wird von André Lischke gehalten, Autor unter anderem einer Geschichte der russischen Musik von den Anfängen bis zur Revolution und eines Leitfadens zur russischen Oper, künstlerischer Leiter des Plattenlabels Le Chant du Monde zwischen 1989 und 1997 und von 2001 bis 2020 Dozent am Fachbereich Kunst und Musik der Université d’Évry.